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Die Bewohnbarkeit des Himmels. Der Gottorfer Globus und die Einhausung der Welt.

Vortrag von Joachim Krausse, Kulturwissenschaftler und Prof. für Designtheorie a.D.

Beschreibung

Der Gottorfer Globus gehört zu einer Kategorie, die er selbst noch mitbegründet – nämlich die der modernen Wunderwerke der Technik.

In ihnen verschränken sich Motive der Wissenschaft, der Bildung, der Repräsentation und der medialen Unterhaltung. Als Modell von Weltall und Erde ist der Globus zunächst zentrales Medium des Sichzurechtfindens in der Welt. Je größer, desto genauer konnte man über die räumliche Ordnung am Himmel wie auf der Erde informieren. Dem waren aber Grenzen durch die Handhabbarkeit gesetzt, und Karten übernahmen diese Funktion. So kommt es im 17. Jahrhundert zu den Riesengloben von denen der Gottorfer Globus der kühnste ist, mit denen ein kleines Fürstentum und später der russische Zar die Besucher in Erstaunen versetzen konnte.

Konzipiert von Adam Olearius (1603 – 1671), einem Universalgelehrten, der die Anregungen zu der besonderen Disposition dieses begehbaren Globus als Sekretär einer Handelsexpedition nach Russland und Persien im Jahr 1636 bekam.

Während im 17. und 18. Jahrhundert die Herrscherhäuser ihre Weltmachtansprüche in zwei gleichgroßen Riesengloben demonstrieren, hat der Gottorfer Globus die Besonderheit, die Erde von außen und den Himmel von innen zu zeigen. Betrachter steigen durch eine Luke, setzen sich auf eine Bank und betrachten den Sternenhimmel. Es ist diese Disposition, die den Globus zu einer Architektur macht, die Uraltes mit etwas ganz Neuem verbindet. Für das Neue hatte man noch nicht einmal vor einhundert Jahren ein Wort, als in Jena das Zeiss-Planetarium gebaut und der Sternenhimmel auf eine leichte Netzwerkkuppel projiziert wurde. Nun konnten erst Flieger, dann Astronauten im Simulator die siderische Navigation lernen und für die extraterrestrischen Räume üben.

 

Joachim Krausse ist Kulturwissenschaftler, der zu Architektur und Designgeschichte forscht. Unterrichtete bis 2022, zuletzt als Professor für Designtheorie, an der Hochschule Anhalt und der Stiftung Bauhaus Dessau. Dokumentarfilme für den WDR zur Geschichte der Wohnung und des Wohnungsbaus. Seit 1991 Mitarbeiter der Architekturzeitschrift ARCH+; Gebaute Weltbilder, ARCH+ 116, 1993. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Werk Buckminster Fullers Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde, übersetzt und hrsg. v. Joachim Krausse, 1973 und 1996 u.ö.; Your Private Sky. R. Buckminster Fuller. The Art of Design Science, 1999, 2017, hrsg. von Joachim Krausse und Claude Lichtenstein.

Zielgruppe(n)

Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen, Lehrkräft, Angestellte in Kultur- und Bildungseinrichtungen, Wissenschaftler*innen, Akteure in der Kulturinsdustrie, Künstler*innen, Designer*innen

Lernziele

  • Einblicke in Globusmodelle als "Wunderwerk der Technik"
  • Reflektionen der (vor)-wissenschaftliche Betrachtung von Welt
  • Informationen zur Entsteheung von Planetarien

Termine

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Dienstag, 20.10.2026
schedule 18:00 - 20:00
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