Demokratie gestalten – Demokratie stärken
Wie kann Demokratie gelingen und welchen Beitrag können Kunst, Design und Medien dazu leisten?
Die westliche Demokratie, die sich nach den bürgerlichen Befreiungskämpfen im 18. Jahrhundert in Europa als politisches System etabliert hat, basiert auf Institutionen und Regeln, die für alle Bürger:innen eines Landes gelten sollen.
Seit sich im 21. Jahrhundert wegen Kriegen und anderer humanitären Katastrophen in vielen Teilen der Welt Flüchtlingsbewegungen nach Europa ausgebildet haben, wollen rechtsnationale politische Parteien und populistische Bewegungen in verschiedenen Nationalstaaten Europas verhindern, das Menschen aus humanitären Gründen immigrieren. Gegenwärtig erstarken rechtsnationale Parteien in vielen Teilen Europas und der Welt.
Ein Kurs der Rechtspopulisten richtet sich gegen Kulturschaffende und Intellektuelle, sognannte „woke“ Teile der Gesellschaft, die sich für eine offene Gesellschaft einsetzen und Teilhabe aller Menschen vertreten, die sich nach den Regeln der demokratischen Verfassung in die Gesellschaft eingliedern wollen. Andere, wie etwa Querdenker, fühlen sich vom Staat in ihrer Freiheit bedroht und befürworten eine radikal libertäre Gesellschaft, die in dann autoritäre Züge annimmt.
Rechtspopulismus und rechts gerichtete Parteien wollen Kultur und Medien für ihre nationalen, rückwärtsgewandten Zielen vereinnahmen. Sie wissen, dass Kultur eine identitätsstiftende Funktion in der Gesellschaft einnimmt – und wollen den offenen und freiheitlichen Kunst- und Kulturbegriff durch eine enge Auslegung von Begriffen, wie Tradition, Nation, Heimat, Familie, ersetzen. Demokratie und Teilhabe aller Menschen an Kultur und Gesellschaft werden wenn nicht bekämpft so doch in Frage gestellt. Auf der Filmbiennale in Berlin wurde jüngst Meinungsfreiheit von Politikern in Frag gestellt.
Das Seminar wird sich deshalb mit Kunst, Design, Kommunikationsformen und – Medien befassen, die dazu beitragen wollen, Demokratie zu gestalten und dadurch zu stärken.
Design hat – beginnend mit der Nachkriegsmoderne in Deutschland, insbesondere durch die Gründung der HfG Ulm 1953 – stets den demokratischen Gehalt, insbesondere des Industriedesigns, betont. Heute verwenden Designer:innen Ansätze wie Open Design, Nutzerzentrierung, Inklusion und Slow Design, um der Lebenswelt der Menschen entsprechend zu entwerfen. Designer:innen selbst sind zunehmend aktivistisch geprägt und stärker politisch interessiert. Insbesondere der Klimawandel und seine Folgen haben eine deutliche Hinwendung zu politischen Fragestellungen bewirkt. War es einst die Aufgabe, Demokratie nach dem Ende des Nationalsozialismus überhaupt wieder in die Gesellschaft zu tragen, so gilt es heute, sie zu erhalten und zugleich im Sinne größerer Diversität weiterzuentwickeln.
Exkursion zur Manifesta – Bochum, Gelsenkirchen, Duisburg, Essen: 23.-26.Juni
Leitung: Prof.in Dr. Christiane Kruse, Prof.in Dr. Annika Frye, Prof.in Annika Larrson
Studiernde, Interessierte, Künstler*innen, Designer*innen, Unternehmer*innen