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Unter Druck professionell werden. Was Schulen im Wandel von der Lehrkräftebildung verlangen

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Zusammenfassung

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Kontext

Der Vortrag beleuchtet den institutionellen Wandel von Schulen am Beispiel der ITECH Hamburg, einer mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten Berufsschule. Im Fokus stehen die Herausforderungen und Chancen, die sich aus der Abkehr von traditionellen Lehrmethoden hin zu selbstorganisiertem, kompetenzorientiertem Lernen ergeben. Die Referentin Monika Stausberg diskutiert, wie sich das Berufsbild von Lehrkräften verändert und welche Konsequenzen dies für die Lehrkräftebildung sowie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Hochschulen hat.


Kernaussagen

1. Wandel des Berufsbilds: Von der Wissensvermittlung zur Lernbegleitung

  • Lehrkräfte agieren zunehmend als Coaches, Mentor:innen und Lernbegleiter:innen, statt als reine Wissensvermittler:innen.
  • Die Rolle erfordert Ambiguitätstoleranz, Beziehungsfähigkeit und die Fähigkeit, Grenzen zwischen Begleitung und Therapie zu ziehen.
  • Beispiel aus der Praxis: Der Schultag beginnt mit Teamabsprachen und täglichen „Daily Meetings“, in denen Lernende aktiv in die Planung einbezogen werden.

2. Kernspannung zwischen Innovation und System

  • Schulen bereiten Lernende auf Zukunftskompetenzen (z. B. Selbstverantwortung, KI-Nutzung) vor, müssen aber gleichzeitig veraltete Prüfungsformate (z. B. wissensbasierte Klassenarbeiten ohne Hilfsmittel) bedienen.
  • Daten zur Nutzung von KI: 85 % der Auszubildenden nutzen regelmäßig Tools wie ChatGPT; 74 % geben an, dass KI ihnen häufiger und besser erklärt als Lehrkräfte.
  • Die Diskrepanz führt zu professioneller Doppelbelastung und gesundheitlichen Risiken für Lehrkräfte.

3. Pädagogische Grundprinzipien: Dynamische Kompetenzorientierung

  • Zukunftsfähige Schulen basieren auf drei Säulen:
    1. Kompetenzorientierung (Fokus auf anwendbare Fähigkeiten statt Faktenwissen).
    2. Individualisierung (Anpassung an Bedürfnisse der Lernenden).
    3. Selbstverantwortung (Lernende gestalten ihren Lernprozess aktiv mit).
  • Diese Prinzipien müssen kontinuierlich hinterfragt werden, da sich relevante Kompetenzen, gesellschaftliche Rahmenbedingungen und technische Möglichkeiten ständig ändern.

4. Lehrkräfte als Führungskräfte

  • Moderne Lehrkräfte übernehmen implizite Führungsaufgaben:
    • Steuerung heterogener Teams (Lernende und Kolleg:innen).
    • Gestaltung von Lernkultur und Schulentwicklung.
    • Einflussnahme ohne formale Macht (z. B. durch Beziehungsarbeit).
  • Erforderliche Kompetenzen: Selbstführung, Kooperationsfähigkeit, Konfliktmanagement und Haltung.

5. Konsequenzen für die Lehrkräftebildung

  • Aktuelle Defizite: Die Ausbildung ist zu fachlogisch geprägt und bereitet unzureichend auf integrierte Didaktik, Teamarbeit oder Schulentwicklung vor.
  • Forderungen:
    • Praxis in lernenden Organisationen: Referendar:innen sollten von Anfang an in Schulen mit moderner Lernkultur ausgebildet werden.
    • Spiegelprinzip: Lehrkräfte müssen die Kompetenzen, die sie fördern (z. B. Selbstverantwortung), selbst vorleben.
    • Verzahnung von Theorie und Praxis: Referendar:innen als Brückenbauer:innen zwischen Schule und Hochschule, die Praxiserfahrungen in die Forschung einbringen.
  • Kritik an Prüfungsformaten: Eine 45-minütige Lehrprobe in Einzelarbeit ist nicht mehr zeitgemäß – stattdessen braucht es projektbasierte, interdisziplinäre Prüfungen.

Fazit

Die Referentin plädiert für einen radikalen Wandel der Lehrkräftebildung, der folgende Schritte umfasst:

  1. Mut zu kleinen, konsequenten Veränderungen – statt auf perfekte Lösungen zu warten.
  2. Stärkere Verzahnung von Schule und Hochschule, um Theorie und Praxis gemeinsam weiterzuentwickeln.
  3. Vorbereitung auf ein neues Berufsbild, das Führungskompetenz, Beziehungsarbeit und Ambiguitätstoleranz in den Mittelpunkt stellt.
  4. Systemische Reformen (z. B. Prüfungsformate), um die Diskrepanz zwischen zukunftsorientiertem Unterricht und veralteten Bewertungssystemen aufzulösen.

Handlungsaufforderung: Alle Akteur:innen – von Lehrkräften über Hochschulen bis zu Bildungspolitik – sind gefordert, den Wandel aktiv zu gestalten. Die ITECH Hamburg zeigt, dass dies möglich ist, aber kontinuierliche Reflexion und Anpassungsbereitschaft erfordert.

Fragen & Antworten

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Wie können Lehrkräfte in der Zukunft mit KI-Tools umgehen?

Lehrkräfte sollten KI-Tools nicht als Ersatz, sondern als Unterstützung nutzen, um die individuelle Förderung von Lernenden zu verbessern und administrative Aufgaben zu reduzeieren.

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit im Team bei der Einführung neuer Lernformen?

Eine starke Teamkultur und gegenseitige Unterstützung sind essenziell, um neue pädagogische Ansätze erfolgreich in den Schulalltag zu integrieren und gemeinsam Lernprozesse zu gestalten.

Wie verändert sich die Rolle der Lehrkraft durch die Digitalisierung?

Die Lehrkraft wandelt sich vom reinen Wissensvermittler hin zu einem Lernbegleiter oder Coach, der Schüler dabei unterstützt, Informationen kritisch zu hinterfragen und selbstständig zu lernen.

Welche Kompetenzen sind für die zukünftige Gestaltung von Lernumgebungen wichtig?

Wichtig sind sowohl die technische Medienkompetenz als auch die Fähigkeit, flexible und adaptive Lernumgebungen zu schaffen, die auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden eingehen.

Wie kann die Professionalisierung von Lehrkräften in diesem Kontext gefördert werden?

Durch kontinuierliche Weiterbildung, den Austausch in professionellen Lerngemeinschaften und die Reflexion der eigenen Praxis in einem unterstützenden institutionellen Rahmen.

Diagramm

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100%
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  root)Unter Druck professionell werden(
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    ["Pädagogische Grundprinzipien"]
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    ["Lehrkräfte als Führungskräfte"]
      ["Teamsteuerung"]
      ["Lernkultur gestalten"]
      ["Führung ohne Macht"]
    ["Lehrkräftebildung reformieren"]
      ["Praxis in lernenden Schulen"]
      ["Spiegelprinzip"]
      ["Projektbasierte Prüfungen"]