Kontext
Die Open for Change:Stage Hamburg ist eine Bühne im Rahmen des University Future Festivals (Motto: Under Pressure), das sich mit den Herausforderungen von Bildungseinrichtungen in Zeiten tiefgreifender sozialer, digitaler und ökologischer Umbrüche beschäftigt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Wandel und Transformation nicht nur bewältigt, sondern aktiv gestaltet werden können – mit den Leitgedanken Offenheit (als Haltung, Kompetenz und institutionelles Prinzip) und Zusammenarbeit. Die Bühne wird kooperativ von der Universität Hamburg und dem OER Camp organisiert, um Perspektiven aus Forschung, Lehre, institutioneller Verankerung und Graswurzelbewegungen zu verbinden.
Kernaussagen
1. Druck als neue Dauerbedingung für Bildungseinrichtungen
- Hochschulen und Schulen stehen vor multiplen Herausforderungen: gesellschaftliche Polarisierung, KI, Klimakrise, Hinterfragen von Wissenschaft und Demokratie, mögliche Einschränkungen der Lehr- und Wissenschaftsfreiheit.
- Druck wird nicht nur als Belastung, sondern auch als Katalysator für Offenheit und Veränderung verstanden (z. B. an der Universität Hamburg: Twin Transformation – gleichzeitige Digitalisierung und Nachhaltigkeit).
2. Offenheit als zentraler Hebel für Transformation
- Offenheit wird in drei Dimensionen verstanden:
- Haltung: Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen (Gegenentwurf zu Neophobie – Angst vor Veränderung).
- Kompetenz: Fähigkeit, Wandel aktiv zu gestalten.
- Institutionelles Prinzip: Sichtbar in Open Educational Resources (OER), Open Educational Practices (OEP) und Kooperation als strukturelle Basis.
- Offene Praktiken (z. B. kollaboratives Arbeiten, Teilung von Wissen) werden als demokratische Prozesse und Gegenmodell zu Konkurrenzdenken betont.
3. Lehrkräftebildung als Schlüssel für nachhaltige Zukunft
- An der Universität Hamburg ist Lehrkräftebildung eine Querschnittsaufgabe (6 von 8 Fakultäten eingebunden) mit fachwissenschaftlicher, bildungswissenschaftlicher und fachdidaktischer Expertise.
- Ziel: Lehrkräfte auf gesellschaftliche Herausforderungen vorbereiten, z. B. durch professionelle Rollen in digitalen und nachhaltigen Kontexten.
- Ohne Lehrkräftebildung gibt es keine nachhaltige Zukunft für Hochschulen oder demokratische Gesellschaften.
4. OER-Strategie des BMBF als partizipativer Referenzrahmen
- Die Bundes-OER-Strategie (2022 veröffentlicht) entstand durch einen zweijährigen Beteiligungsprozess und ist als lernende Strategie angelegt (Anpassung an neue Themen wie KI).
- Sechs Handlungsfelder, u. a.:
- Kompetenzförderung über alle Bildungsbereiche (Schule, Hochschule, Berufsbildung, außerschulische Bildung).
- Infrastruktur und Forschung.
- Open Educational Practices (OEP) als zentraler Baustein: Betonung von Kulturwandel und kollaborativen Prozessen.
- Der OER-Beirat (20 Mitglieder aus Praxis, Wissenschaft, Gewerkschaften) steuert die Umsetzung, u. a. durch temporäre Arbeitsgruppen (z. B. zu KI und OER).
- Forderung: Organisationsentwicklung und institutionelle Strukturen sollten stärker in der Strategie verankert werden.
5. Kooperation als Antwort auf Druck
- Kooperation wird als einzige sinnvolle Reaktion auf die aktuellen Herausforderungen gesehen (z. B. University Future Festival als Gemeinschaftsprojekt von Hochschulforum Digitalisierung, Stiftung Innovation in der Hochschullehre und Stifterverband).
- Beispiele für kooperative Ansätze:
- Transferkiosk der Stiftung Innovation in der Hochschullehre: Plattform für Austausch von Projekten, Ideen und Fehlern.
- OER-Lab der Universität Hamburg: Reallabor für Transformation und Erprobung offener Bildungsformate.
- Verbindung von Konkurrenz und Kooperation („sowohl als auch“) als strategischer Ansatz.
Fazit
Die Open for Change:Stage Hamburg plädiert für Offenheit, Kooperation und partizipative Praktiken als zentrale Antworten auf den Druck, unter dem Bildungseinrichtungen stehen. Konkrete Handlungsempfehlungen:
- Institutionen: Offenheit als strukturelles Prinzip verankern (z. B. durch OER, OEP und Reallabore).
- Lehrkräftebildung: Interdisziplinär und transformativ gestalten, um gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen.
- Netzwerke: Kooperationen stärken (z. B. über die OER-Strategie oder gemeinsame Veranstaltungen) und Zwischenräume nutzen, um Konkurrenz und Zusammenarbeit zu verbinden.
- Gesellschaft: Demokratische Praktiken durch offene Bildung fördern und Mehrheiten für Wandel schaffen.