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ZUKÜNFTE NUTZEN STATT VORHERSAGEN: Futures Literacy an Hochschulen verankern

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Zusammenfassung

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Kontext

Hochschulen stehen vor komplexen Herausforderungen wie KI-getriebenen Umbrüchen, Ressourcenknappheit und gesellschaftlichen Spannungen. Lineare Zukunftsprognosen greifen hier zu kurz. Futures Literacy – die Fähigkeit, multiple Zukünfte zu imaginieren und daraus Handlungsoptionen für die Gegenwart abzuleiten – wird als zentrale Kompetenz vorgestellt. Der Vortrag präsentiert ZukünfteLabore als praxiserprobtes Format zur Förderung dieser Kompetenz in Lehre, Curricula und Organisationsentwicklung.


Kernaussagen

1. Definition und Bedeutung von Futures Literacy

  • Kompetenzbegriff: Futures Literacy ist die Fähigkeit, verschiedene mögliche Zukünfte (Plural) zu antizipieren, zu erkunden und daraus Erkenntnisse für gegenwärtige Entscheidungen zu gewinnen.
    • Ziel: Bessere Bewältigung von Unsicherheit und Komplexität.
    • Grundlage: Natürliche menschliche Grundkompetenz (z. B. Alltagsplanung), die trainierbar ist.
  • Kompetenzmodell: Zusammenspiel aus Wissen (z. B. Trends), Können (z. B. kreative Methoden) und Haltung (z. B. Offenheit für Alternativen).
    • Sechs Teilkompetenzen (u. a. Imaginationskompetenz, Experimentierfreude, Handlungsorientierung).

2. Das Format der ZukünfteLabore

  • Strukturierter Prozess in vier Phasen:
    1. Reveal (Aufdecken): Wahrscheinliche und wünschenswerte Zukünfte explorieren (z. B. durch Gedankenreisen).
    2. Reframe (Experimentieren): Annahmen hinterfragen und alternative Zukünfte generieren (z. B. durch Science-Fiction-Schreiben oder Lego Serious Play).
    3. Rethink (Abgleichen): Neue Fragen aus den Zukunftsbildern ableiten (z. B. „Wie fördern wir freiwilliges Engagement?“).
    4. Redo (Handeln): Erkenntnisse in konkrete Schritte für die Gegenwart übersetzen (z. B. Kompetenzentwicklung, Projektideen).
  • Beispiel: Masterclass zu „Zukünften der Arbeit 2040“ mit kreativem Schreiben und Canvas-Methoden.

3. Methodische Ansätze und Tools

  • Kreative Techniken zur Aktivierung:
    • Gedankenreisen, Bildcollagen, Science-Fiction-Schreiben, Lego Serious Play.
    • KI-gestützte Visualisierung (z. B. Projekt Imagination to Image der PH Bern).
  • Erweiterung: Zukünfte-Realcasting:
    • Imaginierte Zukünfte mit real existierenden Beispielen verknüpfen (z. B. „Gibt es Prototypen unserer Zukunftsideen schon heute?“).
    • Methoden: Digitale Raumerkundung (Google Earth), eKursionen, Virtual Exchange.

4. Implementierungsmöglichkeiten an Hochschulen

  • Skalierbares Framework:
    • Als einzelne Lehrveranstaltung (z. B. Seminar zu „Zukünften der Kommunikation“).
    • Als Werkzeug für Organisationsentwicklung (z. B. Workshops für Mitarbeitende).
    • Als curriculare Querschnittskompetenz (z. B. Dublin City University: Futures Literacy als Transversal Skill für alle Studierenden).
  • Flexibilität: Anpassbar an Zeitrahmen (von 90 Minuten bis mehrtägige Formate).

5. Abgrenzung zu linearen Prognosen

  • Keine Vorhersage, sondern bewusster Umgang mit Vielfalt:
    • Fokus auf wünschenswerte Zukünfte als Motor für Innovation.
    • Wertfreie Exploration: Unterschiedliche Zukunftsbilder stehen nebeneinander (kein Voting oder Bewertung).
  • Praktische Relevanz: Verbindung von Imagination und Realität (z. B. durch Zukünfte-Realcasting).

Fazit

Handlungsempfehlung: Hochschulen sollten Futures Literacy als Schlüsselkompetenz für Studierende und Mitarbeitende verankern – sei es durch ZukünfteLabore in der Lehre, als Teil der Organisationsentwicklung oder als curriculare Querschnittskompetenz. Das vorgestellte Framework bietet niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten (z. B. über das Downloadpaket mit Leitfäden) und lässt sich flexibel anpassen. Entscheidend ist die Haltung: Zukunft als Gestaltungsraum begreifen, nicht als feststehendes Szenario.

Ressourcen:

  • Open-Access-Materialien: zukünfte.net, FL Navigator, Zukünfte-Glossar.
  • Downloadpaket: Leitfäden, Infografiken und Methodenbeschreibungen (QR-Code im Vortrag).

Fragen & Antworten

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Gibt es Themen oder Bereiche, in denen man das Framework nicht anwenden kann, und für welche Kontexte ist es besonders geeignet?

Das Framework ist grundsätzlich fast überall anwendbar. Es funktioniert jedoch nicht in Kontexten, in denen Personen eine geschlossene Haltung einnehmen und glauben, die Zukunft bereits exakt zu wissen.

Gibt es einen Zeitpunkt während der Phasen, an dem auf Forschung zurückgegriffen wird, oder handelt es sich primär um eine kollaborative Kreativitätsmethode?

Es handelt sich primär um eine kollaborative Kreativitätsmethode. Der gezielte Verzicht auf Forschung während des Prozesses dient dazu, die Kreativität zu fördern und die Köpfe der Teilnehmenden zu öffnen.

Können Tiere ebenfalls Zukünfte imaginieren oder ist dies eine rein menschliche Fähigkeit?

Basierend auf der relationalen Biologie besitzen alle Lebewesen antizipatorische Systeme und nutzen Vorstellungen vom 'Später', um in der Gegenwart zu handeln, wie beispielsweise Eichhörnchen, die Nüsse für den Winter sammeln.

Wer entscheidet darüber, ob eine Zukunft wünschenswert ist, und wird diese bewertet oder durch ein Voting bestimmt?

Es findet keine Bewertung oder Abstimmung statt. Verschiedene wünschenswerte Aspekte bleiben nebeneinander stehen und werden wertfrei nebeneinander akzeptiert.

Wie ist das Verhältnis von positiven zu negativen Zukunftsvorstellungen bei den Teilnehmenden?

Die Struktur der Phasen trennt dies bewusst: In Phase 1 können pessimistische Erwartungen geäußert werden, während in der Phase der wünschenswerten Zukünfte der Fokus gezielt auf das gelenkt wird, was die Teilnehmenden wirklich wollen.

Diagramm

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100%
mindmap
  root)Futures Literacy an Hochschulen(
    ["Definition & Bedeutung"]
      ["Kompetenzmodell: Wissen, Können, Haltung"]
      ["6 Teilkompetenzen (z. B. Imaginationskompetenz)"]
    ["ZukünfteLabore"]
      ["4 Phasen: Reveal, Reframe, Rethink, Redo"]
      ["Beispiel: Masterclass 'Zukünfte der Arbeit 2040'"]
    ["Methodische Ansätze"]
      ["Kreative Techniken (Gedankenreisen, Lego Serious Play)"]
      ["Zukünfte-Realcasting (Verknüpfung mit Realität)"]
    ["Implementierung an Hochschulen"]
      ["Lehrveranstaltung, Organisationsentwicklung, Querschnittskompetenz"]
      ["Flexible Zeitrahmen (90 Min. bis mehrtägig)"]
    ["Abgrenzung zu Prognosen"]
      ["Keine Vorhersage, sondern Vielfalt explorieren"]
      ["Fokus auf wünschenswerte Zukünfte"]