Wer hat das letzte Wort? Hochschulen, Macht und Mitbestimmung
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📚 Student Voices Die studentische Perspektive verdeutlicht die massive Diskrepanz zwischen formalem Stimmrecht und realer Wirksamkeit, insbesondere durch kurze Amtszeiten und fehlende Anrechnung der Gremienarbeit. Es wird aufgezeigt, wie Wissensvorsprünge und informelle Vorabsprachen Studierende systematisch an der aktiven Mitgestaltung von Rahmenbedingungen wie Prüfungsordnungen hindern.
Hochschulen gelten formal als demokratische Organisationen, in denen Entscheidungen über Prüfungsformate, Digitalisierung oder Studienreformen in Gremien getroffen werden. In der Praxis sind diese Prozesse jedoch von informellen Einflusskanälen, Wissensvorsprüngen und ungleichen Erfahrungsständen geprägt. Die Referentin Tabea Herbst, Vorstandsmitglied des freien zusammenschlusses von student*innenschaften (fzs), analysiert, wie Machtstrukturen Beteiligung einschränken und zeigt Wege auf, Entscheidungsprozesse fairer und wirksamer zu gestalten.
Zur Reflexion von Machtstrukturen schlägt die Referentin ein sechsdimensionales Raster vor, das am Beispiel einer Rahmenprüfungsordnung illustriert wird:
| Dimension | Leitfragen | Beispiel Rahmenprüfungsordnung |
|---|---|---|
| Entscheidungsmacht | Wer darf formal entscheiden? Wer hat Vetorechte? Wer besitzt Mehrheiten? | Senat: 7 Professor:innen (Mehrheit), 2 wissenschaftliche Mitarbeitende, 2 Studierende. Präsidium hat Vetorecht. |
| Planungsmacht | Wer setzt die Tagesordnung? Wer formuliert Vorlagen? Welche Alternativen fehlen? | Arbeitsgruppe der Studiendekanate formuliert Vorlage; Studierendenvorschläge werden nicht diskutiert. |
| Wissensmacht | Wer versteht den Prozess? Wer kennt Satzungen/Fristen/informelle Regeln? | Senatsmitglieder und Präsidium kennen Abläufe; Studierende erst kurz vor Beschluss beteiligt. |
| Netzwerkmacht | Wer kann andere mobilisieren? Wo finden Vorgespräche statt? | Informelle Vorabstimmung zwei Tage vor Sitzung; Studierende nicht eingebunden. |
| Betroffenheit | Wer trägt Konsequenzen? Wer profitiert? Wer trägt Risiken? | Studierende leben mit den Ergebnissen; Lehrende profitieren von praxisnahen Regelungen. |
| An-/Abwesenheit | Wer fehlt? Welche Statusgruppen/Perspektiven sind unterrepräsentiert? | Studierende fehlen im gesamten Prozess (9 Monate Vorbereitung ohne ihre Beteiligung). |
Echte demokratische Mitbestimmung an Hochschulen erfordert die Sichtbarmachung und aktive Gestaltung von Machtstrukturen. Die Referentin plädiert für:
Handlungsempfehlung: Hochschulleitungen sollten sich fragen: „Welches Leben wollen wir auf dem Campus?“ – und Beteiligung als gemeinsamen Gestaltungsprozess verstehen, der alle Statusgruppen einbezieht. Nur so lässt sich die Lücke zwischen formalem Recht auf Mitbestimmung und tatsächlicher Wirksamkeit schließen.
Ja, es gibt Best-Practice-Beispiele, in denen Studierende und Lehrende aufeinander zugehen und gegenseitige Zugeständnisse machen, um gemeinsame Lösungen zu finden.
Studierende können statusgruppenübergreifende Netzwerke aufbauen, solidarisch füreinander einstehen, um Themen in Gremien sichtbar zu machen, und aktiv Brücken bauen, etwa durch studentische Vizepräsidentschaften.
Es bedarf einer klaren Haltung der Hochschulleitung, die diese Perspektiven einfordert und Gespräche mit Vorgesetzten sucht, um die Teilnahme zu ermöglichen, da Landeshochschulgesetze grundsätzlich regeln, dass kein Nachteil durch Gremienarbeit entstehen darf.
Hier kann bei Novellierungen der Landeshochschulgesetze angesetzt werden, wobei bereits wegweisende Urteile existieren, die eine absolute Mehrheit einer einzelnen Statusgruppe infrage stellen.
Hochschulleitungen sollten sich fragen: „Welches Leben wollen wir auf dem Campus?“
mindmap
root)Wer hat das letzte Wort? Hochschulen, Macht und Mitbestimmung(
["Macht an Hochschulen ist multidimensional"]
["Wissensvorsprünge und Expertise"]
["Erfahrung und strategisches Handeln"]
["Soziale Netzwerke und Vitamin B"]
["Diskrepanz zwischen formaler Demokratie und Praxis"]
["Stimmrechtsverteilung und Mehrheiten"]
["Vorentscheidungen in Arbeitsgruppen"]
["Agenda-Setting und Themenkontrolle"]
["Informations- und Erfahrungsungleichgewichte"]
["Orientierungsphase für neue Mitglieder"]
["Informelle Kanäle und Vorgespräche"]
["Frustration und Rückzug aus Gremien"]
["Zeit als zentrale Machtressource"]
["Verfügbarkeit und Sitzungszeiten"]
["Kontinuität und Amtszeiten"]
["Anrechnung von Gremienarbeit"]
["Analyseraster für faire Entscheidungsprozesse"]
["Entscheidungsmacht und Vetorechte"]
["Planungsmacht und Vorlagen"]
["Wissensmacht und Prozessverständnis"]
["Maßnahmen für faire Beteiligung"]
["Transparenz und Dokumentation"]
["Mentoring und Einarbeitung"]
["Statusgruppenübergreifende Vernetzung"]