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"Teaching Social Action" als Initial für partizipative Hochschullehre

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Kontext

Der Vortrag stellt den Teaching Social Action (TSA)-Ansatz vor, der in den USA und Großbritannien bereits erprobt wird. TSA kombiniert Elemente aus Community Organizing, Service Learning und der Pädagogik der Unterdrückten (Paulo Freire), um Studierenden durch reale politische Kampagnen eine positive Demokratieerfahrung zu ermöglichen. Der Ansatz zielt darauf ab, Hochschullehre partizipativ, demokratisch und didaktisch innovativ zu gestalten und gleichzeitig strukturelle Veränderungen in Gesellschaft oder Campus zu bewirken. Referent Andreas Richter teilt erste Erfahrungen aus der Umsetzung an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB).


Kernaussagen

1. Konzept und Ursprung von TSA

  • Kombination dreier Ansätze:
    • Community Organizing: Strategien zur Machtbildung und Kampagnenführung.
    • Service Learning: Verbindung von Lernen und gesellschaftlichem Engagement.
    • Pädagogik der Unterdrückten (Paulo Freire): Fokus auf Emanzipation und kritische Reflexion.
  • Ursprung in den USA/UK:
    • Entwickelt von Scott Myers-Lipton (San Jose State University), Bobby Hackett (Bonner Foundation) und Ben Little (University of East Anglia).
    • Internationales Netzwerk mit wachsender Community; in Deutschland bisher drei Seminare an der KHSB.
  • Ziel: Studierende befähigen, reale strukturelle Veränderungen zu bewirken (z. B. Mindestlohnerhöhung in San Jose, Periodenarmut in Berlin-Lichtenberg).

2. Didaktische Innovation: Umkehrung der Lehrlogik

  • "On your marks, get set, go":
    • Praxis vor Theorie: Studierende starten direkt mit der Themenwahl und Aktion, wodurch ein konkreter Bedarf an theoretischem Wissen entsteht (z. B. Machttheorien, Change Theory).
    • Beispielhafter Semesterablauf:
      • Wochen 1–3: Kennenlernen, Themenfindung, Teambildung.
      • Wochen 4–10: Machtaufbau, Recherche, Strategieentwicklung.
      • Wochen 11–14: Kampagnenaktionen und Evaluation.
    • Vorteil: Hohe intrinsische Motivation, da Studierende Themen selbst wählen (z. B. Gendermedizin, Stadtentwicklung, soziale Gerechtigkeit).

3. Demokratisierung der Lehrstruktur

  • Partizipation auf mehreren Ebenen:
    • Themenwahl: Studierende entscheiden selbst über Kampagnenschwerpunkte.
    • Zusammenarbeitskriterien: Aushandlung von Regeln für Gruppenarbeit (z. B. Umgang mit "Trittbrettfahrer:innen").
    • Benotung: Drei-Säulen-Modell aus Selbstbewertung, Peer-Bewertung und Dozierendenbewertung.
      • Kriterien werden gemeinsam entwickelt (z. B. Engagement, Teamarbeit).
      • Kein Notendruck für Kampagnenerfolg: Bewertet wird der Prozess, nicht das Ergebnis.
  • Rolle der Lehrenden:
    • Facilitator:innen statt klassische Wissensvermittler:innen.
    • Aufgabe: Geschützten Raum für Studierende schaffen, um Macht und Einfluss zu generieren.

4. Selbstwirksamkeit und Demokratieerfahrung

  • Zitate als Leitmotive:
    • Frederick Douglass: "Macht gewährt nichts ohne Forderung." → Betonung von Handlungsmacht.
    • Paulo Freire: "Demokratie heißt, sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen." → Kritik an passiver Bürger:innenrolle.
    • Max Frisch: "Der Mangel an demokratischen Erfahrungen ist ein Hemmnis für Demokratisierung."
  • Zielgruppe:
    • Studierende, die keine positiven Demokratieerfahrungen haben (z. B. durch reine Wahlbeteiligung).
    • Effekt: Stärkung von Selbstwirksamkeit und demokratischem Engagement durch reale Kampagnen.

5. Interdisziplinäre Anwendbarkeit und Skalierung

  • Fachübergreifend einsetzbar:
    • Aktuell stark in Sozialer Arbeit verankert, aber übertragbar auf Jura, Medizin, Umweltwissenschaften etc.
    • Methode steht im Vordergrund: Umgang mit Macht, Forderungen und strukturellen Veränderungen.
  • Skalierungsbestrebungen:
    • Workshops für Lehrende: September 2026 in Berlin (kostenfrei, Voraussetzung: Verpflichtung zur Umsetzung innerhalb eines Jahres).
    • Vision: Alle Studierenden in Europa sollen Zugang zu TSA-Seminaren erhalten.

Fazit

Teaching Social Action bietet ein radikal partizipatives und demokratisches Lehrmodell, das Studierende zu aktiven Gestalter:innen ihrer Umwelt macht. Durch die Umkehrung der Lehrlogik (Praxis vor Theorie) und die Fokussierung auf reale Kampagnen wird nicht nur fachliches Wissen, sondern vor allem demokratische Handlungskompetenz vermittelt. Der Ansatz ist fachübergreifend adaptierbar und hat das Potenzial, Hochschullehre nachhaltig zu verändern.

Handlungsempfehlungen

  1. Für Lehrende:
    • TSA-Workshop besuchen (September 2026 in Berlin) und Ansatz in eigene Lehre integrieren.
    • Kontakt aufnehmen mit Andreas Richter (KHSB) für Materialien und Erfahrungsaustausch.
  2. Für Hochschulen:
    • Strukturelle Unterstützung für TSA-Seminare schaffen (z. B. Prüfungsordnungen anpassen).
    • Interdisziplinäre Kooperationen fördern, um Ansatz in verschiedenen Fachbereichen zu etablieren.
  3. Für Studierende:
    • Initiative ergreifen und TSA-Seminare nachfragen – besonders in Fachbereichen außerhalb der Sozialen Arbeit.
    • Kampagnen dokumentieren (z. B. auf teachingsocialaction.org) und Erfahrungen teilen.

Kontakt:

Fragen & Antworten

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Wie werden die Zusammenarbeitskriterien in den Gruppen ausgehandelt?

Die Studierenden erarbeiten in einem Brainstorming gemeinsam eine Liste wichtiger Kriterien für die Gruppenarbeit. Daraus wird ein Vertrag erstellt, den alle Beteiligten unterschreiben und bei Bedarf anpassen können.

Wie funktioniert die Benotung und welche Kriterien werden angewendet?

Die Benotung basiert auf einem Drei-Säulen-Modell aus Selbstbewertung, Peer-Bewertung und der Bewertung durch die Dozierenden. Bewertet wird der Prozess und das Durchlaufen des Programms (z. B. via Portfolio), nicht der Erfolg der Kampagne.

In welchem Rhythmus findet das Seminar statt und wie hoch ist der zusätzliche Workload für die Studierenden?

Das Seminar findet wöchentlich statt. Zusätzlich wird ein Zeitaufwand von mindestens zwei bis drei Stunden pro Woche für die Aktionen erwartet, wobei die tatsächliche Arbeitslast oft höher ist.

In welchem Fachbereich wird das Seminar angeboten und ist es fachübergreifend einsetzbar?

Aktuell wird es im Bereich der Sozialen Arbeit angeboten, ist jedoch grundsätzlich für alle Fachbereiche anwendbar und wird in den USA bereits in verschiedensten Studiengängen eingesetzt.

Was sind die Voraussetzungen für die Teilnahme am TSA-Workshop für Lehrende im September in Berlin?

Der Workshop ist kostenfrei, setzt jedoch die Verpflichtung voraus, innerhalb eines Jahres ein entsprechendes Seminar in die eigene Lehre zu integrieren.

Welche Herausforderungen gab es bisher und wie wurde damit umgegangen?

Eine Herausforderung war die Demotivation einzelner Gruppen, was durch beziehungsorientiertes Arbeiten gelöst wurde. Positiv hervorgehoben wurde die Entwicklung von anfangs zurückhaltenden Studierenden zu Führungspersönlichkeiten.

Diagramm

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    ["Konzept & Ursprung"]
      ["Community Organizing + Service Learning"]
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      ["Ursprung USA/UK (Myers-Lipton, Hackett)"]
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      ["Partizipative Themenwahl & Regeln"]
      ["Drei-Säulen-Benotung (Selbst/Peer/Dozierende)"]
      ["Lehrende als Facilitator:innen"]
    ["Selbstwirksamkeit & Demokratie"]
      ["Handlungsmacht durch reale Kampagnen"]
      ["Ziel: Positive Demokratieerfahrung"]
      ["Kritik an passiver Bürger:innenrolle"]
    ["Anwendbarkeit & Skalierung"]
      ["Fachübergreifend (Soziale Arbeit, Jura, Medizin)"]
      ["Workshops für Lehrende (2026)"]
      ["Vision: Europaweite Verbreitung"]