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The Pressure to Act - Empirisch informierte Empfehlungen zum Umgang mit Machtmissbrauch

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Sondercluster

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📚 Student Voices Die Perspektive der Studierenden wird durch die hohe Prävalenz von Karrierenachteilen und die massive Unsicherheit bei der Meldung von Vorfällen sichtbar. Besonders deutlich wird ihr Beitrag in der Dokumentation der psychischen Belastungen und der ernsthaften Erwägung, die akademische Laufbahn aufgrund systemischer Machtstrukturen vorzeitig abzubrechen.

Wortwolke

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Zusammenfassung

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1. Kontext

Machtmissbrauch im Hochschulkontext ist ein strukturelles Problem, das durch öffentliche Debatten (z. B. #IchBinHanna, #metooscience) zunehmend sichtbar wird. Trotz der Aufmerksamkeit fehlen bisher flächendeckende empirische Untersuchungen, die das Ausmaß, die Formen und die Folgen von Machtmissbrauch systematisch erfassen. Die DigitalChangeMaker-Initiative des Hochschulforums Digitalisierung führte 2025 eine bundesweite Befragung unter Hochschulangehörigen durch, um Prävalenzen, Meldeverhalten und Betroffenenfolgen zu analysieren und Handlungsempfehlungen für Hochschulen abzuleiten.


2. Kernaussagen

2.1 Machtmissbrauch als strukturelles und vielschichtiges Problem

  • Machtmissbrauch an Hochschulen reicht von subtilen Grenzüberschreitungen (z. B. ungefragtes Duzen) bis zu schwerwiegenden psychischen, körperlichen und karriererelevanten Folgen für Betroffene.
  • Das hierarchische Wissenschaftssystem begünstigt Machtmissbrauch, wobei Professor:innen in der Mehrheit der gemeldeten Fälle als Täter:innen identifiziert wurden (76,6 % der Vorfälle).
  • Ursachen sind multifaktoriell: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Abhängigkeitsstrukturen und fehlende unabhängige Anlaufstellen tragen zur Normalisierung bei.
  • Arbeitsdefinition: Machtmissbrauch wurde für die Studie breit gefasst, um Betroffenenperspektiven einzubeziehen und strukturelle Bedingungen zu berücksichtigen.

2.2 Hohe Prävalenz und Dunkelziffer

  • 83,1 % der Befragten gaben an, mindestens eine Form von Machtmissbrauch selbst erlebt zu haben; 82,8 % beobachteten Vorfälle als Zeug:innen, und 89,7 % erhielten davon Berichte.
  • 28 verschiedene Formen von Machtmissbrauch wurden erfasst, darunter:
    • Ungefragtes Duzen (42,9 % selbst erlebt),
    • Beleidigungen/Erniedrigungen (26,2 %),
    • Körperliche Zudringlichkeit (17,0 %),
    • Androhung von Karrierenachteilen (26,4 %),
    • Aussichtstellen beruflicher Vorteile für unbezahltes Engagement (21,1 %).
  • 73,9 % der Vorfälle wurden nicht gemeldet. Hauptgründe:
    • Unsicherheit, ob das Verhalten „schlimm genug“ war (häufigster Grund),
    • Unwissenheit, an wen man sich wenden soll (42,9 %),
    • Erwartung, dass eine Meldung keine Konsequenzen hat.

2.3 Schwerwiegende Folgen für Betroffene

  • 50 % der Betroffenen waren sich unsicher, ob körperliche oder mentale Beschwerden auf den Vorfall zurückgingen; nur 17,8 % verneinten dies.
  • 29,7 % erwogen ernsthaft, ihre akademische Laufbahn aufzugeben; weitere 28,7 % dachten über einen Hochschul- oder Fachbereichswechsel nach.
  • 32,9 % konnten ihrem Studium oder ihrer Arbeit zeitweise nicht nachgehen.
  • Psychische Erkrankungen, Studienabbrüche und Karriereabbrüche wurden als häufige Konsequenzen genannt.

2.4 Vertrauensdefizit in Hochschulen

  • Nur 13,9 % der Befragten stimmten der Aussage voll zu, dass an ihrer Hochschule offen über Machtmissbrauch gesprochen werden kann.
  • Lediglich 14,2 % vertrauten darauf, dass ihre Hochschule konsequent gegen Machtmissbrauch vorgeht.
  • 40,2 % fühlten sich an ihrer Hochschule sicher – ein Indikator für ein geringes institutionelles Sicherheitsgefühl.

2.5 Empfehlungen für Hochschulen

  • Institutionalisierung unabhängiger Beratungsstellen:
    • Niedrigschwellige, bekannt kommunizierte Anlaufstellen, die nicht in bestehende Hierarchien eingebunden sind.
    • Präventions- und Unterstützungsangebote fachbereichsübergreifend und hochschulweit.
  • Sensibilisierung aller Statusgruppen:
    • Schulungen für Studierende, Beschäftigte und Führungskräfte, um Machtmechanismen zu erkennen und Betroffene zu unterstützen.
    • Besondere Aufmerksamkeit für marginalisierte Gruppen, die häufiger betroffen sind.
  • Transparente Kommunikation und Kulturwandel:
    • Machtmissbrauch muss als zentrale Aufgabe von Hochschulen verstanden und öffentlich thematisiert werden.
    • Betroffenenperspektiven müssen im Mittelpunkt von Veränderungsprozessen stehen.
  • Rechtliche Verankerung und einheitliche Definitionen:
    • Forderung nach einheitlichen Definitionen von Machtmissbrauch in Hochschulgesetzen, um Rechtssicherheit für Betroffene zu schaffen.
    • Sanktionsmechanismen müssen konsequent umgesetzt und kommuniziert werden.

3. Fazit

Die Studie zeigt, dass Machtmissbrauch an Hochschulen kein Einzelfallphänomen, sondern ein systemisches Problem mit gravierenden Folgen für Betroffene ist. Die hohe Dunkelziffer und das geringe Vertrauen in institutionelle Strukturen unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf. Hochschulen sind aufgefordert, unabhängige Beratungsstrukturen zu schaffen, Sensibilisierungsmaßnahmen auszuweiten und transparente Meldewege zu etablieren. Ein Kulturwandel erfordert zudem die rechtliche Verankerung des Themas und die konsequente Ahndung von Machtmissbrauch. Die Ergebnisse der Befragung sollen als Impuls für weitere Forschung und politische Maßnahmen dienen, um langfristig sichere und faire Hochschulstrukturen zu gewährleisten.

Fragen & Antworten

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Kann grundsätzlich Diskriminierung von Geschlecht oder die Nicht-Anerkennung bestimmter Personengruppen im Bildungskontext durch Lehrpersonen als Machtmissbrauch betrachtet werden?

Ja, die Referentinnen bestätigen dies. In der Befragung wurden explizit Merkmale wie geschlechtsbezogene Diskriminierung sowie Rassismus und Ableismus als Formen von Machtmissbrauch mit erfasst.

Sind die Ergebnisse der Studie bereits veröffentlicht?

Die Ergebnisse sind bisher noch nicht veröffentlicht, da die Autorinnen noch an der finalen Ausarbeitung arbeiten, um die Aussagekraft der Daten ohne zusätzlichen Kontext zu gewährleisten.

Welche Rolle spielen Sanktionen für Täter:innen und wurde bereits versucht, Ministerien zu sensibilisieren, um rechtlichen Druck auf Hochschulleitungen auszuüben?

Sanktionen werden als wichtig und abschreckend erachtet, müssen aber stärker durchgesetzt werden. Eine gezielte Ansprache von Ministerien ist bisher aus zeitlichen Gründen nicht erfolgt, wird aber als wichtiger Impuls für die Zukunft mitgenommen.

Ist eine einheitliche Beschreibung und Verankerung von Machtmissbrauch in den Hochschulgesetzen notwendig, da viele Formen rechtlich nicht abgedeckt sind?

Die Referentinnen stimmen dem zu und betonen, dass eine gesetzliche Verankerung wichtig ist, um Rechtssicherheit für Betroffene zu schaffen, da es derzeit keine einheitliche Definition gibt.

Diagramm

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100%
mindmap
  root)The Pressure to Act – Umgang mit Machtmissbrauch(
    ["Machtmissbrauch als strukturelles Problem"]
      ["Hierarchien im Wissenschaftssystem"]
      ["Multifaktorielle Ursachen"]
      ["Breite Definition für Studie"]
    ["Hohe Prävalenz und Dunkelziffer"]
      ["83,1 % Betroffene"]
      ["28 Formen erfasst"]
      ["73,9 % nicht gemeldet"]
    ["Folgen für Betroffene"]
      ["Psychische/physische Beschwerden"]
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      ["Studienunterbrechungen"]
    ["Vertrauensdefizit in Hochschulen"]
      ["13,9 % offene Kommunikation"]
      ["14,2 % Vertrauen in Konsequenzen"]
      ["40,2 % Sicherheitsgefühl"]
    ["Empfehlungen für Hochschulen"]
      ["Unabhängige Beratungsstellen"]
      ["Sensibilisierung aller Statusgruppen"]
      ["Transparente Kommunikation"]
      ["Rechtliche Verankerung"]