Kontext
Die Veranstaltung thematisiert innovative Lehrformate in der Hochschulbildung, die digitale Medien, Spiele und Popkultur nutzen, um Studierende in ihrer Lebensrealität abzuholen. Ziel ist es, Lernprozesse durch Interaktion, Reflexion und Handlungsorientierung nachhaltiger und motivierender zu gestalten. Die Referent:innen stellen evaluierte Praxisbeispiele vor, die globale Herausforderungen wie Klimakrise oder gesellschaftliche Spaltung aufgreifen und Studierende zur aktiven Auseinandersetzung anregen.
Kernaussagen
1. Überwindung von Klimaerschöpfung durch Handlungsoptimismus
- Problem: Studierende leiden unter „Climate Exhaustion“ – einem Gefühl der Machtlosigkeit angesichts globaler Krisen, das durch wiederholte Warnungen verstärkt wird.
- Lösungsansatz: Lehrformate setzen auf Selbstwirksamkeit und Handlungsoptimismus, indem sie vom reinen Wissen zum konkreten Tun überleiten (z. B. Challenges wie vegane Ernährung).
- Wirkung: Studierende entwickeln ein Gefühl der Handlungsfähigkeit, das über die Hochschule hinauswirkt.
2. Integration der Lebensrealität in die Lehre
- Mediennutzung: 85 % der 16- bis 29-Jährigen spielen regelmäßig Videospiele (Quelle: nicht explizit genannt, aber im Kontext der Altersgruppe plausibel). Spiele wie GTA oder Terra Nil sowie Fantasyfilme werden als Massenmedien genutzt, um Studierende dort abzuholen, wo sie sich privat aufhalten.
- Ziel: Aufbrechen der Trennung zwischen Universität und Alltag, um Bildungsfreude und Neugier zu fördern.
- Beispiel: Filme wie Outbreak dienen als Einstieg in komplexe Themen (z. B. Virologie) und machen Lernen „unauffälliger“.
3. Lernen durch Challenges und Erfahrung
- Format: Aufgabenbasierte Formate (z. B. eine Woche ohne Online-Shopping) ermöglichen es, theoretische Konzepte physisch zu erleben und durch bewusste Reflexion des Scheiterns Lernprozesse anzustoßen.
- Beispiel: Eine Challenge zum Nichtrauchen scheiterte bei einigen Teilnehmer:innen – dies wurde zum Anlass für Diskussionen über individuelle Grenzen.
- Evaluation: Lerntagebücher und qualitative Begleitevaluationen (Reflective Writing) dokumentieren Lernfortschritte und persönliche Erfahrungen.
4. Bedeutung der gemeinsamen Reflexion
- Medien als Diskussionsgrundlage: Spiele oder Filme entfalten ihr Bildungspotenzial erst durch moderierte Reflexion. Ohne diesen Schritt werden kritische Inhalte (z. B. Umweltverschmutzung in GTA) oft unhinterfragt akzeptiert.
- Interdisziplinärer Austausch: Im Studium Fundamentale der Universität Witten/Herdecke arbeiten Studierende verschiedener Fachrichtungen zusammen, um Perspektiven zu erweitern und neue Formate zu erproben.
5. Mut zu experimentellen Lehrformaten
- Risikobereitschaft: Die Referent:innen plädieren für den Mut zu „vermeintlich dummen Ideen“ – auch wenn diese scheitern können. Dies weckt Neugier und erhöht die Teilnahmebereitschaft der Studierenden.
- Beispiel: Ein Kurs mit dem Strategiespiel Crusader Kings 3 wurde trotz anfänglicher Hürden erfolgreich umgesetzt, nachdem die Entwicklerfirma kostenlose Lizenzen bereitstellte.
- Transfer: Ansätze lassen sich auch in fachspezifische Studiengänge übertragen (z. B. Nutzung von Filmen im Medizinstudium).
Fazit
Die vorgestellten Lehrformate zeigen, dass Hochschullehre spielerisch, alltagsnah und handlungsorientiert gestaltet werden kann, um Studierende zu motivieren und ihre Reflexionsfähigkeit zu stärken. Die Referent:innen empfehlen:
- Lebenswelten der Studierenden aktiv in die Lehre einzubeziehen (z. B. durch Spiele, Filme oder Challenges).
- Reflexion als zentralen Bestandteil zu verankern, um kritisches Denken zu fördern.
- Experimentierfreude zu kultivieren – auch auf die Gefahr des Scheiterns hin – um innovative Formate zu entwickeln.
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit zu nutzen, um Perspektiven zu erweitern und Lernprozesse zu bereichern.
Handlungsaufforderung: Lehrende werden ermutigt, ähnliche Formate zu erproben und sich bei Interesse an den vorgestellten Projekten (z. B. Ringvorlesung, Podcast) zu beteiligen.