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Mehr als ›Leuchttürme‹. Von der experimentellen Lernumgebung zum Raumstandard

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Zusammenfassung

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Kontext

Der Vortrag thematisiert die Diskrepanz zwischen innovativen Modellräumen („Leuchttürmen“) und der oft veralteten, konventionellen Lehr- und Lerninfrastruktur an Hochschulen. Am Beispiel der Ruhr-Universität Bochum (RUB) wird aufgezeigt, wie experimentelle Raumsettings wie das „Raumlabor Philologie“ genutzt werden können, um strategische Campusentwicklungsprozesse anzustoßen. Dabei stehen ökonomische, bürokratische und organisationale Herausforderungen im Fokus, die einer flächendeckenden Modernisierung entgegenstehen.


Kernaussagen

1. Spannungsfeld zwischen didaktischen Anforderungen und bestehender Infrastruktur

  • Die Mehrheit der Lehrveranstaltungen findet in konventionellen Räumen statt, die häufig nicht zu modernen Lehrformaten passen (z. B. Reihenbestuhlung in Hörsälen und Seminarräumen).
  • Daten der RUB: 45 % der Lehrenden suchen aktiv keine Räume für ihre Veranstaltungen aus, sondern nutzen vorgegebene Räume – oft aus strukturellen Gründen (z. B. fehlende Flexibilität im Raummanagement).
  • Auslastungsprobleme: Hörsäle sind durchschnittlich nur zu 20–30 % belegt, während gleichzeitig Mangel an kleineren, flexiblen Räumen herrscht. Ursache sind historische Raumkonzepte (z. B. Massenveranstaltungen in den 1960er/70er Jahren) und starre Raumvergabepraktiken.

2. Raumlabor Philologie als experimentelle Lernumgebung

  • Ziel: Erprobung innovativer Lehrformate und Gewinnung von Erkenntnissen für die flächendeckende Raumgestaltung.
  • Investition: Ca. 80.000–100.000 € für Möbel, Technik (z. B. Smartboard, Hybridausstattung) und Accessoires (z. B. Pflanzen, Steckdosensäulen).
  • Struktur: Trennung in formelle (Lehrveranstaltungen) und informelle Lernbereiche (Selbststudium); flexibles Mobiliar für verschiedene Lehrformate.
  • Erkenntnisse aus der Evaluation:
    • Partizipation ist zentral, aber kein Selbstläufer: Umfragen müssen in Lehrveranstaltungen integriert werden, um ausreichend Rücklauf zu generieren.
    • Technik und Praxis interagieren: Selbst bei technischen Problemen (z. B. Smartboard) entwickeln Lehrende kreative Lösungen – vorausgesetzt, die Grundfunktionen (z. B. Audio bei Hybridlehre) sind zuverlässig.
    • Sichtbarmachung von „unsichtbaren“ Elementen: Studierende wünschen sich z. B. Steckdosen oder Pflanzen erst, wenn sie diese erleben; Lehrende erkennen deren Relevanz oft nicht.
    • Widersprüche produktiv nutzen: Unterschiedliche Bedürfnisse von Lehrenden (Ruhe) und Studierenden (informelle Lernräume) können durch Reflexion und Anpassung ausgeglichen werden.
    • Kein Automatismus: Neue Räume führen nicht automatisch zu neuen Lehrformaten – Veränderungsbereitschaft muss durch Schulungen und Begleitung gefördert werden.

3. Skalierung: Vom Modellraum zum Raumportfolio

  • Das „Raumlabor Philologie“ ist Teil des Projekts „Flächen der Zukunft – Lehr- und Lernflächen“, das die Campussanierung der RUB (Laufzeit: 15–20 Jahre) didaktisch begleitet.
  • Handlungsfelder des Projekts:
    1. Didaktische Konzepte: Entwicklung zukunftsfähiger Lehrformate als Grundlage für Raumgestaltung.
    2. Partizipation: Workshops mit Studierenden, Lehrenden und Hochschuldidaktik-Expert:innen.
    3. Raummanagement und Flächeneffizienz: Optimierung der Raumvergabe und -nutzung (z. B. bedarfsgerechte Buchung, Reduzierung von Leerständen).
    4. Standardisierung der Raumausstattung: Abwägung zwischen didaktischen Notwendigkeiten und ökonomischen Rahmenbedingungen (z. B. Hybridtechnik, Steckdosen).
  • Ziel: Ein diversifiziertes Raumportfolio, das Lehrformate (von instruktiv bis interaktiv) und Gruppengrößen abbildet – mit klaren Transformationspfaden für Bestandsgebäude.

4. Herausforderungen und Erfolgsfaktoren für die Transformation

  • Ökonomischer Druck: Räume sind teure Ressourcen; Bewusstsein für Kosten und Effizienz muss bei Lehrenden und Verwaltung gestärkt werden.
  • Organisationale Hürden: Räume sind „hochpolitisch“ – Zuständigkeiten zwischen Fakultäten und zentralen Einrichtungen müssen geklärt werden.
  • Bürokratie: Hochschulbau ist komplex; didaktische Erkenntnisse drohen in Planungsprozessen verloren zu gehen.
  • Erfolgsfaktoren:
    • Steuerung: Interdisziplinäre Projektgruppen (IT, Hochschulentwicklung, Studierendenservice etc.) und Nähe zum Rektorat.
    • Geduld und Beharrlichkeit: Partizipation schafft Akzeptanz und hilft, Konfliktlinien (z. B. disziplinäre Unterschiede) früh zu erkennen.
    • Erfahrbarkeit: Lehrende müssen Räume aktiv nutzen und experimentieren können (z. B. durch Schulungen oder „Störmomente“ wie ungewohnte Raumaufteilungen).

5. Takeaways für andere Hochschulen

  • Leuchtturmprojekte allein reichen nicht: Innovative Räume müssen in einen umfassenden Flächenentwicklungsprozess eingebettet sein.
  • Konzeptionelle Arbeit: Raumportfolios müssen auf didaktischen Grundlagen basieren (z. B. aktivitätsbasierte Raumtypen).
  • Praktische Umsetzung: Umbauprozesse benötigen Begleitung, um didaktische Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.
  • Kulturwandel: Lehrende brauchen Unterstützung, um Räume nicht nur zu nutzen, sondern auch zu gestalten (z. B. durch Fortbildungen).

Fazit

Die RUB zeigt, wie experimentelle Lernumgebungen als Hebel für eine strategische und flächendeckende Modernisierung von Lehr- und Lernräumen dienen können. Entscheidend ist, Modellräume nicht als isolierte „Showcases“ zu betrachten, sondern sie systematisch in ein didaktisch fundiertes Raumportfolio zu überführen. Dafür sind Partizipation, Steuerung und Geduld unerlässlich – ebenso wie die Bereitschaft, bestehende Routinen (z. B. Raumvergabe, Lehrformate) zu hinterfragen. Andere Hochschulen können von diesem Ansatz lernen, indem sie:

  1. Datenbasiert den Ist-Zustand ihrer Räume analysieren (z. B. Auslastung, Nutzungspraktiken),
  2. Pilotprojekte als Lernfelder nutzen und Erkenntnisse in Standards überführen,
  3. Interdisziplinäre Teams für die Umsetzung einbinden und
  4. Lehrende und Studierende aktiv in die Gestaltung einbeziehen.

Fragen & Antworten

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Welche Rolle spielen Modellräume wie das Raumlabor Philologie im Vergleich zu einer flächendeckenden Modernisierung?

Modellräume dienen nicht als reine Showcases, sondern als experimentelle Lernumgebungen, um Erkenntnisse über künftige Lehrgestaltung zu gewinnen. Diese Erkenntnisse werden anschließend genutzt, um didaktisch fundierte Raumstandards und ein diversifiziertes Raumportfolio für die gesamte Universität zu entwickeln.

Führen innovative Räume automatisch zu neuen Lehrformaten?

Nein, es gibt keinen Automatismus; die bloße Verfügbarkeit neuer Räume ändert die Lehre nicht sofort. Die Veränderungsbereitschaft der Lehrenden muss aktiv durch Schulungen, Begleitung und Angebote wie Orientierungsposter gefördert werden.

Wie geht man mit den unterschiedlichen Bedürfnissen von Lehrenden und Studierenden in flexiblen Räumen um?

Widersprüche, wie der Wunsch der Lehrenden nach Ruhe gegenüber dem Wunsch der Studierenden nach informellen Lernbereichen, werden durch Reflexion und Partizipation produktiv genutzt und in der Raumgestaltung ausgeglichen.

Welche organisatorischen Faktoren behindern die didaktische Innovation in den Räumen?

Ein großes Hindernis ist das starre Raummanagement, bei dem Räume oft über Jahre hinweg fest zugewiesen werden („Fortschreibung“), sowie eine mangelnde Transparenz über die tatsächliche Ausstattung der Räume im Buchungssystem.

Wie kann die Transformation der Lernräume an einer Hochschule erfolgreich gesteuert werden?

Erfolgreich ist die Steuerung durch interdisziplinäre Projektgruppen (z. B. IT, Hochschulentwicklung, Studierendenservice) und eine enge Anbindung an das Rektorat, um über einzelne Räume hinaus einen umfassenden Flächenentwicklungsprozess zu etablieren.

Diagramm

KI-generierter Inhalt
100%
mindmap
  root)Mehr als ›Leuchttürme‹: Raumstandards entwickeln(
    ["Spannungsfeld Infrastruktur vs. Didaktik"]
      ["45% Lehrende nutzen vorgegebene Räume"]
      ["Hörsäle nur 20–30% ausgelastet"]
    ["Raumlabor Philologie als Modell"]
      ["80.000–100.000 € Investition"]
      ["Flexibles Mobiliar & Hybridtechnik"]
      ["Evaluation: Partizipation & Techniknutzung"]
    ["Skalierung zum Raumportfolio"]
      ["Projekt ‚Flächen der Zukunft‘"]
      ["Didaktische Konzepte & Partizipation"]
      ["Standardisierung vs. Kosten"]
    ["Herausforderungen"]
      ["Ökonomischer Druck & Bürokratie"]
      ["Interdisziplinäre Steuerung nötig"]
    ["Takeaways für Hochschulen"]
      ["Leuchttürme in Entwicklungsprozess einbetten"]
      ["Datenanalyse & Pilotprojekte nutzen"]