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Zwischen Anforderungen und Orientierung: Mentoring im Lehramtsstudium

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„Unser Hauptziel ist hierbei ein Aufbau, eine Unterstützungskultur herzustellen, wo sich Studierende gegenseitig unterstützen und somit dann zum eigenen Erfolg auch beitragen.“

„Das Ganze ist dann ein niedrigschwelliger Austausch auf Augenhöhe [...] sodass sie dann nachhaltig eben diese Unterstützungsstruktur aufbauen können und Synergien erzeugt werden können.“

„Wir merken das selber durch die Formate [...] dass diese Unterstützungskultur wirklich da beiträgt, dass die Studierenden weniger Fragen an Dozierende stellen, sondern sich untereinander stärken.“

Zusammenfassung

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Kontext

Das standortübergreifende Mentoring-Programm „Talents for Teachers“ (TVT) der Ruhrgebietsuniversitäten Ruhr-Universität Bochum (RUB), TU Dortmund und Universität Duisburg-Essen (UDE) adressiert zentrale Herausforderungen im Lehramtsstudium: hohe psychische Belastungen, komplexe Studienstrukturen und hohe Abbruchquoten. Durch strukturierte Peer-Begleitung (Master-Studierende unterstützen Erstsemester) sollen Studienanfänger:innen Orientierung erhalten, Unsicherheiten abbauen und tragfähige Lernstrategien entwickeln. Gleichzeitig stärkt das Programm bei Mentor:innen Schlüsselkompetenzen wie Kommunikation, Verantwortungsübernahme und Reflexionsfähigkeit.


Kernaussagen

1. Problemstellung: Druck im Lehramtsstudium

  • Hohe psychische Belastungen: Ursachen sind u. a. Prüfungsdichte, komplexe Studienstrukturen und fehlende Orientierung.
  • Abbruchquoten: Besonders im ersten und zweiten Semester brechen viele Studierende ab (basierend auf internen Hochschulstatistiken).
  • Lehrkräftemangel: Das Programm zielt darauf ab, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und Bildungsgerechtigkeit zu fördern.

2. Programmstruktur: Talents for Teachers (TVT)

  • Verbundprojekt: Gefördert vom Ministerium für Schule und Bildung NRW (seit 2020) mit den Zielen:
    • Fachkräftenachwuchs sichern.
    • Bildungsgerechtigkeit und soziale Inklusion fördern.
    • Bildungserfolg breiter gesellschaftlicher Gruppen ermöglichen.
  • Vier Säulen:
    1. Information: Lehrkräftegewinnung durch Veranstaltungen und Praktika.
    2. Beratung: Enge Zusammenarbeit mit Talentscouts an Schulen.
    3. Betreuung: Tagespraktika und Weiterbildungen für Studierende.
    4. Assessment: Aufbau einer Unterstützungs- und Vernetzungskultur unter Studierenden.

3. Mentoring-Programm: Peer-Begleitung auf Augenhöhe

  • Zielgruppen:
    • Mentor:innen: Master-Studierende (meist höhere Bachelorsemester) mit Erfahrung im Lehramtsstudium.
    • Mentees: Erstsemesterstudierende (1.–2. Semester), die Unterstützung beim Studienstart benötigen.
  • Ablauf:
    • Freiwillige Anmeldung der Mentees (an RUB und TU Dortmund über Start-E-Mails, an UDE über Moodle-Räume).
    • Matching nach Schulform und Fächern (an UDE wählen Mentees ihre Mentor:innen selbst aus, an RUB erfolgt das Matching durch die Koordinator:innen).
    • Individuelle Begleitung: Häufigkeit und Inhalte der Treffen werden von Mentor:innen und Mentees selbst bestimmt.
  • Typische Themen:
    • Studienorganisation (z. B. Stundenplanerstellung).
    • Prüfungsvorbereitung (z. B. Lernstrategien für Hausarbeiten).
    • Campusleben (z. B. Orientierung auf dem Gelände, Anlaufstellen).
    • Soziale Integration (z. B. Netzwerkaufbau).

4. Qualifizierung und Kompetenzentwicklung der Mentor:innen

  • Qualifizierungsworkshop (2–3 Stunden vor Semesterstart):
    • Rollenklärung: Mentor:innen als Vorbilder und Ansprechpersonen.
    • Gesprächsführung: Tipps für eine vertrauensvolle Atmosphäre.
    • Grenzen: Klare Abgrenzung zu therapeutischen Themen (mit Verweis auf professionelle Anlaufstellen).
  • Weiterbildungsangebote:
    • Workshops zu Bildungsgerechtigkeit (in Kooperation mit dem NRW-Zentrum für Talentförderung).
    • Zertifikate für ehrenamtliches Engagement (nutzbar für Lebenslauf und Bewerbungen).
  • Vorteile für Mentor:innen:
    • Entwicklung von Soft Skills (Kommunikation, Organisation, Reflexion).
    • Netzwerkausbau (z. B. durch WhatsApp-Gruppen oder Lerngemeinschaften).
    • Persönliche Weiterentwicklung (z. B. durch Reflexion der eigenen Rolle).

5. Ergänzende Formate und Evaluation

  • Vernetzungsangebote:
    • Auftaktveranstaltungen (z. B. „Pommespartys“ an der TU Dortmund).
    • „Study Labs“: Gezielte Prüfungsvorbereitung in Gruppen.
    • Tagespraktika an Schulen: Orientierung für Studierende mit Unsicherheiten.
  • Evaluation und Wirksamkeit:
    • Mentees: 44 % Zuwachs an Teilnehmer:innen (WS 2024/25 vs. Vorjahr).
      • 40 % hatten sonst keine Ansprechpersonen im Studium.
      • 65 % wünschten sich Austausch mit erfahrenen Studierenden.
      • 63 % fühlten sich zu Studienbeginn unsicher.
    • Mentor:innen: 13 % Zuwachs an Teilnehmer:innen.
      • 65 % wollten sich ehrenamtlich engagieren.
      • 45 % strebten Stärkung kommunikativer/organisatorischer Kompetenzen an.
      • 97 % wollten Orientierung bieten und Erfahrungen weitergeben.
    • Qualitätsmanagement: Regelmäßige Evaluation durch das Zentrum für Hochschul- und Qualitätsentwicklung (ZHQE) an der UDE.

Fazit

Das Mentoring-Programm „Talents for Teachers“ zeigt, wie durch strukturierte Peer-Begleitung und ergänzende Vernetzungsformate Studienanfänger:innen im Lehramt wirksam unterstützt werden können. Die Kombination aus niedrigschwelliger Orientierung, Kompetenzentwicklung bei Mentor:innen und einer nachhaltigen Unterstützungs- und Netzwerkkultur trägt dazu bei, Abbruchquoten zu senken und die Resilienz der Studierenden zu stärken. Handlungsempfehlung: Hochschulen sollten ähnliche Formate etablieren, um die Abhängigkeit von Dozierenden bei organisatorischen Fragen zu reduzieren und eine selbsttragende Unterstützungskultur unter Studierenden zu fördern.

Fragen & Antworten

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Wie funktioniert das Matching zwischen Mentor:innen und Mentees?

Das Vorgehen variiert je nach Standort: An der Universität Duisburg-Essen wählen Mentees ihre Mentor:innen über Profile in einem Moodle-Raum selbst aus, während an der Ruhr-Universität Bochum das Matching durch die Koordinator:innen primär nach identischen oder ähnlichen Fächern erfolgt.

An welche bestehenden Programme oder Konzepte knüpfen die Qualifizierungsmaßnahmen für die Mentor:innen an?

Die Qualifizierung umfasst teils eigenentwickelte Inhalte und integriert im Bereich der Bildungsgerechtigkeit Maßnahmen und Workshops des NRW-Zentrums für Talentförderung.

Glossar

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BegriffDefinition
Talents for Teachers (TVT)Ein standortübergreifendes Verbundprojekt der Ruhrgebietsuniversitäten zur Sicherung des Lehrkräftenachwuchses und zur Förderung der Bildungsgerechtigkeit.
Peer-BegleitungEine strukturierte Unterstützung auf Augenhöhe, bei der erfahrene Studierende (Mentoren) Studienanfänger (Mentees) begleiten.
MenteesStudierende im ersten oder zweiten Semester, die Unterstützung beim Studienstart und bei der Orientierung im Lehramtsstudium erhalten.
Mentor:innenErfahrene Studierende, meist aus dem Master of Education, die Erstsemester bei der Studienorganisation und sozialen Integration unterstützen.
Study LabsGezielte Formate zur Prüfungsvorbereitung in Gruppen, in denen Mentor:innen Fragen zu anstehenden Prüfungsphasen klären.
QualifizierungsworkshopEine vorbereitende Schulung für Mentor:innen zu Themen wie Rollenklärung, Gesprächsführung und der Abgrenzung zu therapeutischen Themen.
BildungsgerechtigkeitEin zentrales Ziel des TVT-Projekts, um den Bildungserfolg breiter gesellschaftlicher Gruppen zu ermöglichen und soziale Inklusion zu fördern.
ZHQEDas Zentrum für Hochschul- und Qualitätsentwicklung an der UDE, welches die Evaluation und das Qualitätsmanagement des Programms übernimmt.

Diagramm

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100%
mindmap
  root)Mentoring im Lehramtsstudium(
    ["Problemstellung: Druck im Lehramtsstudium"]
      ["Hohe psychische Belastungen"]
      ["Abbruchquoten im 1.–2. Semester"]
      ["Lehrkräftemangel und Bildungsgerechtigkeit"]
    ["Programmstruktur: Talents for Teachers"]
      ["Verbundprojekt NRW (seit 2020)"]
      ["Vier Säulen: Information, Beratung, Betreuung, Assessment"]
    ["Mentoring-Programm: Peer-Begleitung"]
      ["Mentor:innen: Master-Studierende"]
      ["Mentees: Erstsemester (1.–2. Semester)"]
      ["Themen: Studienorganisation, Prüfungsvorbereitung, Campusleben"]
    ["Qualifizierung der Mentor:innen"]
      ["Qualifizierungsworkshop (Rollenklärung, Gesprächsführung)"]
      ["Weiterbildungen (Bildungsgerechtigkeit, Zertifikate)"]
      ["Vorteile: Soft Skills, Netzwerk, Reflexion"]
    ["Ergänzende Formate & Evaluation"]
      ["Vernetzung: Auftaktveranstaltungen, Study Labs"]
      ["Evaluation: Hohe Zufriedenheit (Mentees & Mentor:innen)"]
      ["Qualitätsmanagement durch ZHQE"]