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Wicked Problems als Pressure transformativer und transdisziplinärer Hochschullehre

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1. Kontext

Die Session thematisiert die didaktische Integration von Wicked Problems in die Hochschullehre. Diese komplexen, mehrdimensionalen und nicht disziplinär lösbaren Probleme (z. B. Klimawandel, chronische Erkrankungen, reproduktive Gesundheit) erfordern transdisziplinäre Lehr-Lernkonzepte. Vorgestellt werden drei gesundheitsbezogene Seminarkonzepte, die dialogische, reflexive und partizipative Formate nutzen, um Studierende in die Bearbeitung normativer Spannungsfelder und Perspektivenvielfalt einzubinden.


2. Kernaussagen

2.1 Definition und Merkmale von Wicked Problems

  • Abgrenzung zu "Tame Problems": Wicked Problems sind durch Irreversibilität, fehlende eindeutige Lösungen und soziale/ethische Einbettung gekennzeichnet (Rittel & Webber, 1973).

    • Beispiel: Klimawandel – bereits die Problemformulierung (z. B. als ökonomisches vs. ökologisches Problem) beeinflusst mögliche Lösungsansätze.
    • 10 Charakteristika (u. a.):
      • Kein klares Ende (Lösungsraum unbestimmt).
      • Keine absolute Wahrheit (gleichberechtigte Lösungsoptionen).
      • Irreversible Folgen (z. B. Geoengineering).
      • Einzigartigkeit (keine Übertragbarkeit von Erfahrungen).
      • Moralische Dimension: Verantwortungsnexus zwischen Interessengruppen (Holdorf & Greenwald, 2018).
  • Drei Dimensionen der Komplexität (Veltman et al., 2021):

    1. Komplexität: Wechselseitige Abhängigkeiten zwischen Subsystemen.
    2. Unsicherheit: Unvorhersehbare Handlungsfolgen.
    3. Wertedivergenz: Konfligierende Ansichten und strategische Ziele.

2.2 Wicked Problems in der Hochschullehre

  • Aktuelle Anwendungsfelder:
    • Fairness und Assessment: Machtgefälle, Konsistenz von Bewertungen (Deeley et al., 2019).
    • Soziale Gerechtigkeit/Rassismus: Studierendenauswahl, Curricula, Abschlussvergabe (Ugiagbe-Green & Ernsting, 2022).
    • Umweltverantwortung: Spannungsfeld zwischen Lernwert und ökologischen Kosten (z. B. Exkursionen; Gonzalez, 2015).
  • Moralische Herausforderungen:
    • Lehrende müssen mit Krisen, schwierigen Entscheidungen und Inklusionsfragen umgehen (Lubbe et al., 2023).

2.3 Transdisziplinäre Didaktik als Lösungsansatz

  • Ziel: Transformation von Haltungen, Werten und Weltverhältnissen der Studierenden (nicht nur Wissenserwerb).
  • Rahmenbedingungen für Lernräume (Schmitz et al., 2026):
    • Zeit: Langfristige Settings für Vertrauen und Reflexion.
    • Strukturen: Reform von Curricula, Verzicht auf disziplinäre Grenzziehungen.
    • Zusammenarbeit: Common Ground, Respekt, Verständnis für Fachsprachen.
  • Integration außerwissenschaftlicher Wissensformen:
    • Einbindung von Praxisakteur:innen (z. B. "Expert:innen aus Erfahrung") und Betroffenenperspektiven.

2.4 Didaktische Methoden

  • Formate zur Bearbeitung komplexer Themen:
    • Argument Maps: Strukturierung von Kontroversen (z. B. Schwangerschaftsabbruch).
    • Embodied Learning/Outdoor Education: Verknüpfung mit Umwelt (z. B. Messung von Schadstoffbelastungen).
    • Szenario- und fallbasiertes Lernen: Simulation realer Problemstellungen.
    • Design Thinking: Iterative, humanzentrierte Lösungsentwicklung (Lubbe et al., 2023).
    • Co-Creation: Studierende gestalten Lehrpläne mit (Maclatchy et al., 2025).

2.5 Drei Seminarbeispiele

Thema Lernziele Methoden
Schwangerschaftsabbruch Perspektivenvielfalt, ethische Argumente, Rahmenbedingungen reflektieren. Argument Maps, Praxisakteur:innen, stummes Schreibgespräch.
Klima & Vulnerabilität Einfluss des Klimawandels auf chronisch Kranke; Bezüge zu SDGs 3/11. Embodied Learning, Outdoor Education, szenariobasiertes Lernen.
Chronic Care Versorgungskonzepte verstehen; Betroffenenperspektive einnehmen. Fallbasiertes Lernen, Erfahrungsberichte von Betroffenen.

2.6 Transferstrategien

  • Handlungsempfehlungen für Lehrende:
    • Normative Spannungsfelder und Unsicherheiten explizit in Curricula integrieren.
    • Flexible Lernarchitekturen schaffen (z. B. modulübergreifende Projektarbeiten).
    • Dialogische Formate und Reflexionsphasen etablieren.
    • Außerwissenschaftliche Wissensformen einbinden (z. B. Praxispartner:innen).

3. Fazit

Transdisziplinäre Hochschullehre zu Wicked Problems erfordert:

  1. Langfristige Lernsettings, die reale gesellschaftliche Herausforderungen als Bezugspunkte nutzen.
  2. Dialogische und reflexive Formate, um Perspektivenvielfalt und normative Konflikte zu bearbeiten.
  3. Institutionelle Unterstützung (z. B. Curricula-Reformen, interdisziplinäre Karrierewege).
  4. Kokreation zwischen Studierenden, Lehrenden und externen Akteur:innen.

Ziel: Studierende befähigen, mit Unsicherheit, Kontroversität und Wertedivergenz umzugehen – als zentrale Zukunftskompetenz für transformative Lösungsansätze.

Diagramm

KI-generierter Inhalt
100%
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    ["Anwendungsfelder in Lehre"]
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      ["Umweltverantwortung"]
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      ["Chronic Care (Fallbasiertes Lernen)"]
    ["Transferstrategien"]
      ["Normative Spannungsfelder integrieren"]
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      ["Dialogische Formate etablieren"]