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Von Klimawandel bis KI? Hochschulen unter Druck – Future Skills als Weg?

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Zusammenfassung

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1. Kontext

Hochschulen stehen angesichts multipler gesellschaftlicher Krisen (Klimawandel, KI, Desinformation, demokratische Erosion) unter Handlungsdruck. Das überarbeitete Future-Skills-Framework 2030 des Stifterverbands (Gehrs et al., 2025; Rampelt et al., 2025) soll als Orientierungsrahmen dienen, um Hochschulen bei der Anpassung ihrer Bildungsziele an diese Megatrends zu unterstützen. Der Vortrag präsentiert empirische Befunde aus einem Mixed-Methods-Design, das die kontextabhängige Priorisierung von Future Skills untersucht und deren Integration in Hochschulstrukturen diskutiert.


2. Kernaussagen

2.1 Future Skills als flexibler Orientierungsrahmen

  • Das Future-Skills-Framework 2030 ist keine statische Checkliste, sondern ein anpassbarer Werkzeugkoffer:
    • Es ermöglicht Hochschulen, Kompetenzen kontextsensibel zu priorisieren – basierend auf ihrem Profil, organisationalen Schwerpunkten und fachlichen Spezifika.
    • Die Relevanz einzelner Skills variiert je nach Megatrend (z. B. Klimawandel vs. KI) und Stakeholder-Perspektive (Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft).
  • Definition: Future Skills werden als ganzheitliche Handlungskompetenzen verstanden, bestehend aus:
    • Wissen (kognitive Dimension),
    • Können (praktische Fertigkeiten),
    • Werthaltungen (ethische und normative Orientierung).
    • Der Zeithorizont beträgt fünf Jahre, danach ist eine Aktualisierung vorgesehen.

2.2 Kontextabhängige Priorisierung von Future Skills nach Megatrends

Die empirische Studie (N=1.004) zeigt, dass sich die Gewichtung von Future Skills je nach gesellschaftlicher Herausforderung deutlich unterscheidet:

Megatrend Dominierende Kompetenzkategorien Top-3-Future-Skills Besonderheiten
Klimawandel Transformative Zukunftskompetenzen 1. Nachhaltigkeitskompetenz2. Verantwortungsübernahme3. Problemlösungskompetenz Systemkompetenz und Visionskompetenz werden im Vergleich zu anderen Megatrends signifikant höher bewertet.
Künstliche Intelligenz Digitale Zukunftskompetenzen + Grundlegende Kompetenzen 1. Kritisches Denken2. AI Literacy3. Ethische Kompetenz AI Literacy rückte aus der vorherigen „Spitzen“-Kategorie (nur für Expert:innen) in die Breite – als Reaktion auf die KI-Disruption ab 2022.
Demokratische Kultur Gemeinschaftsorientierte Zukunftskompetenzen 1. Demokratiekompetenz2. Kritisches Denken3. Dialogkompetenz Dialog- und Beteiligungskompetenz werden hier deutlich wichtiger eingeschätzt als bei anderen Megatrends.
  • Grundlegende Zukunftskompetenzen (z. B. kritisches Denken, Kooperationsfähigkeit, ethische Kompetenz) bilden ein kontextunabhängiges Fundament und sind für alle Megatrends essenziell.

2.3 Stakeholder-spezifische Unterschiede

  • Wirtschaft priorisiert KI, Digitalisierung und lebenslanges Lernen stärker als andere Gruppen.
  • Wissenschaft und Zivilgesellschaft bewerten Nachhaltigkeitskompetenz höher.
  • Zivilgesellschaft sowie Bildung/Wissenschaft schätzen Future Skills insgesamt etwas relevanter ein als Wirtschaft oder Politik/Verwaltung.
  • Gemeinsamkeiten: Alle Stakeholder-Gruppen bestätigen die grundsätzliche Relevanz der identifizierten Future Skills.

2.4 Integration von Future Skills in Hochschulen

  • Zwei Modelle zur Entlastung von Handlungsdruck:
    1. Curriculare Verankerung:
      • Beispiel: Philipps-Universität Marburg integrierte Future Skills („Maß Skills“) als Pflichtmodul (18 ECTS) in alle Bachelorstudiengänge.
    2. Organisationsentwicklung zur „Future-Skills-Organisation“:
      • Beispiele:
        • Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (Koblenz): Transformatives Lernen als ganzheitliches Bildungskonzept.
        • Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde: Binnenstiftung zur strukturellen Verankerung von Nachhaltigkeit.
  • Praktische Handlungsrahmen:
    • Reifungsprozessmodell (Gehrs et al., 2024): Zirkuläres Modell mit 6 Kategorien und 4 Reifegraden zur Organisationsentwicklung.
    • Modell zentraler Handlungsfelder (Budde & Horstmann, im Druck): Orientierungsrahmen für die curriculare Integration, der alle Hochschulakteur:innen adressiert.

2.5 Kollektive Kompetenzentwicklung

  • Keine Einzelperson muss alle Future Skills beherrschen:
    • Fächer und Hochschulen können spezifische Schwerpunkte setzen (z. B. ein Studiengang fokussiert digitale Skills, ein anderer transformative Kompetenzen).
    • Ziel: Durch kollektive Spezialisierung entsteht gesamtgesellschaftlich ein umfassendes Kompetenzportfolio für zukünftige Herausforderungen.

3. Fazit

  • Future Skills bieten Hochschulen einen Weg, den Handlungsdruck durch Megatrends zu reduzieren, indem sie:
    1. Orientierung in komplexen Zukunftsfragen geben (z. B. durch kontextsensible Priorisierung),
    2. Entlastung schaffen (z. B. durch curriculare Verankerung oder Organisationsentwicklung),
    3. Flexibilität ermöglichen (individuelle Schwerpunktsetzung statt „One-Size-Fits-All“).
  • Handlungsempfehlung:
    • Hochschulen sollten das Future-Skills-Framework 2030 als strategischen Werkzeugkoffer nutzen, um eigene Profile zu schärfen und Kompetenzen zielgerichtet in Lehre, Forschung und Organisation zu integrieren.
    • Die kollaborative Entwicklung von Future Skills – sowohl innerhalb von Hochschulen als auch im Austausch mit Stakeholdern – ist entscheidend, um kollektive Handlungskompetenz für gesellschaftliche Herausforderungen aufzubauen.

Quellen

  • Rampelt, F. et al. (2025): Future Skills 2030 – Ein aktualisiertes Framework für Zukunftskompetenzen. Link
  • Gehrs, V. et al. (2025): Future Skills 2030 – Wissenschaftlicher Bericht zum aktualisierten Framework. Link
  • Gehrs, V. et al. (2024): Future Skills – Warum? Was? Wie? Der Weg zur Future-Skills-Organisation. Link

Fragen & Antworten

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Fehlt die Innovationskompetenz bei der Künstlichen Intelligenz?

Die Innovationskompetenz wurde zwar abgefragt, lag aber nicht unter den Top 10 der relevantesten Skills für KI. Aktuell steht in der Breite eher der angemessene, kritische und ethische Umgang mit KI-Systemen im Vordergrund als deren Innovation.

Wie wird eine Dopplung zwischen Nachhaltigkeitskompetenz und Systemkompetenz vermieden und worin liegt der eigenständige Mehrwert beider Begriffe?

Die Kompetenzen sind nicht immer vollständig trennscharf und weisen unterschiedliche Granularitätslevel auf. Die spezifischen Abgrenzungen und der jeweilige Mehrwert werden in den Definitionen der offiziellen Publikationen detailliert erläutert.

Diagramm

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100%
mindmap
  root)Future Skills an Hochschulen(
    ["Kontext & Herausforderungen"]
      ["Multikrisen: Klimawandel, KI, Desinformation"]
      ["Handlungsdruck für Hochschulen"]
    ["Future-Skills-Framework 2030"]
      ["Flexibler Werkzeugkoffer, kein Checkliste"]
      ["Wissen, Können, Werthaltungen"]
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      ["Klimawandel: Nachhaltigkeit, Systemkompetenz"]
      ["KI: AI Literacy, Ethische Kompetenz"]
    ["Stakeholder-Perspektiven"]
      ["Wirtschaft: KI & Digitalisierung"]
      ["Zivilgesellschaft: Nachhaltigkeit"]
    ["Integration in Hochschulen"]
      ["Curriculare Verankerung (z.B. Marburg)"]
      ["Organisationsentwicklung (z.B. Eberswalde)"]
    ["Kollektive Kompetenzentwicklung"]
      ["Fächer setzen Schwerpunkte"]
      ["Gesellschaftliches Gesamtportfolio"]