Demokratiekompetenzen: ein Modell für die Lehre
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„Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung, dann haben wir da bereits eine rechtliche Verpflichtung.“
„Demokratie ist zu begreifen als eine Lebensform.“
„Kompetenzen, die wir für die Demokratie [brauchen], sind annähernd deckungsgleich mit den Kompetenzen, die wir für Wissenschaft brauchen. Gleichzeitig sind Wissenschaftlerinnen und Studierende nicht automatisch Demokrat*innen.“
Der Vortrag thematisiert die Notwendigkeit, Demokratiekompetenzen gezielt in der Hochschullehre zu verankern. Obwohl wissenschaftliche und demokratische Kompetenzen große Überschneidungen aufweisen, führt wissenschaftliche Lehre nicht automatisch zu demokratisch handlungsfähigen Absolvent:innen. Die Referentin stellt ein praxisorientiertes Modell vor, das drei bestehende Kompetenzrahmen (Europarat, Europäische Kommission, Service-Learning) kombiniert und für die Hochschuldidaktik adaptiert. Ziel ist es, Lehrenden konkrete Methoden an die Hand zu geben, um Demokratiekompetenzen fachunabhängig in Lehrveranstaltungen zu fördern.
Das Modell unterteilt Demokratiekompetenzen in drei Ebenen, die jeweils spezifische Methoden zur Förderung erfordern:
Affektive Ebene: Werte, Einstellungen und Haltungen
Kognitive Ebene: Wissen und Denkweisen
Praktische Ebene: Handlungsfähigkeiten
Demokratiebildung ist keine optionale Zusatzaufgabe, sondern eine rechtliche und gesellschaftliche Verpflichtung der Hochschulen. Durch die gezielte Förderung demokratischer Kompetenzen in der Lehre können Hochschulen einen Beitrag dazu leisten, dass Absolvent:innen nicht nur fachlich, sondern auch als mündige Bürger:innen handlungsfähig werden. Das vorgestellte Modell bietet hierfür eine praxisnahe Struktur und konkrete Methoden – unabhängig vom Fach.
Ja, es werden allgemeine Fortbildungen sowie spezifische Workshops zu Themen wie Ambiguitätstoleranz oder Selbstwirksamkeit angeboten, die sehr gut angenommen werden. In NRW ist dies zudem ein neues Pflicht-Themenfeld im Qualifizierungsprogramm für Lehrende unter dem Titel 'Lehrer und gesellschaftliche Verantwortung'.
Nein, die Lehrkräfteausbildung wurde bewusst ausgeklammert, da diese an einer gesonderten Stelle erfolgt und nicht in den Aufgabenbereich des Zentrums für Wissenschaftsdidaktik fällt.
| Begriff | Definition |
|---|---|
| RFCDC | Das Reference Framework of Competences for Democratic Culture des Europarats definiert Kompetenzen für eine demokratische Kultur in den Bereichen Werte, Einstellungen, Fähigkeiten und Wissen. |
| ResearchComp | Ein von der Europäischen Kommission entwickeltes Kompetenzmodell, das die notwendigen Fähigkeiten für Forscherinnen und Forscher beschreibt. |
| Service Learning | Ein pädagogischer Ansatz, der akademisches Lernen mit gemeinnützigem Engagement verbindet, um beispielsweise Demokratiekompetenzen zu fördern. |
| Ambiguitätstoleranz | Die Fähigkeit, Mehrdeutigkeiten, Widersprüche und Unsicherheiten auszuhalten und produktiv mit ihnen umzugehen. |
| Threshold Concepts | Fachspezifische Schwellenkonzepte oder Denkweisen, deren Verständnis einen wesentlichen Durchbruch im Begreifen eines Fachgegenstandes darstellt. |
| Argument-Mapping | Eine Methode zur expliziten Visualisierung und Analyse von Argumentationsstrukturen, um das analytische Denken zu fördern. |
| Deliberative Formate | Diskussionsmethoden wie World Café oder Fishbowl, die auf einen gemeinsamen, abwägenden Beratungsprozess abzielen. |
| Claim-Evidence-Reasoning | Ein struktureller Ansatz zur Argumentation, bei dem eine Behauptung durch Belege und eine logische Begründung gestützt wird. |
mindmap
root)Demokratiekompetenzen in der Lehre(
["Rechtliche Grundlagen"]
["Art. 5 GG, Hochschulgesetze"]
["Gesellschaftliche Verantwortung"]
["Kompetenzmodelle"]
["Europarat & EU-Kommission"]
["Wissenschaft ≠ Demokratiefähigkeit"]
["Drei-Ebenen-Modell"]
["Affektiv: Werte & Haltungen"]
["Kognitiv: Wissen & Denken"]
["Praktisch: Handlungsfähigkeit"]
["Lehrmethoden"]
["Deliberative Formate"]
["Agile Feedbackschleifen"]
["Team-Based Learning"]
["Fachübergreifende Anwendung"]
["Integration in bestehende Formate"]
["Querschnittsaufgabe aller Fächer"]
["Handlungsempfehlungen"]
["Explizite Verankerung"]
["Vorbildfunktion der Lehrenden"]